FRANZ KAFKA "DER PROCESS"

"Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet" - damit beginnt der im Januar 1915 fertiggestellte Roman, der in typisch kafkaesker Weise den Sinn eines Einzelschicksals mit der Sinnlosigkeit des Daseins zu verknüpfen sucht. Josef K., dessen eigenes Verhalten Rätsel aufgibt, verstrickt sich in die hohle Form einer Gerichtsadministration, deren Rechtsgrundlagen nebulös bleiben. Auch Josef K.s Vorstellungen von Recht und Gesetz erscheinen so abwegig, dass seine schließliche Exekution den erlösenden Schlusspunkt unter das Scheitern eines Individuums setzt, das es nicht geschafft hat, sich vom vorausgesetzten Vorwurf einer generellen Schuld zu befreien.


Erschienen im Fischer Verlag
ISBN 3-10-038165-3



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Leseprobe:

... "Aber dieser zweite Freispruch ist doch wieder nicht endgiltig", sagte K. und drehte abweisend den Kopf. "Natürlich nicht", sagte der Maler, "dem zweiten Freispruch folgt die dritte Verhaftung, dem dritten Freispruch die vierte Verhaftung und so fort. Das liegt schon im Begriff des scheinbaren Freispruchs." K. schwieg. ...