COLOR ODOR SAPOR

Horaz In dieser kurzen Formel hat Horaz vor nahezu 2000 Jahren zum Ausdruck gebracht, was bis heute bei der Weinbeurteilung unumstößlich Bestand hat. Farbe, Geruch und Geschmack, gleichzusetzen mit den drei Sinnen: Sehen, Riechen und Schmecken.


SEHEN

Mit dem Auge erkennen wir die Farbe und Farbtiefe eines Weines, sowie seine Klarheit und Viskosität.

Bei der Beurteilung der Farbtiefe ist immer die Rebsorte und ihre natur- gemäße Färbung zu berücksichtigen. Dunkle Rotweine mit nahezu fehlen- der Transparenz zeugen von Reife und Körper, meist in Verbindung mit Frucht und Tannin. Hellrote, blasse Rotweine dagegen sind meist ex-
  traktarme und leichte Weine, wie sie in Jahrgängen mit witterungsbeding- ten Schwierigkeiten entstehen. Eine Verfärbung ins bräunliche hingegen zeugt bei Rot- wie Weißwein von fortgeschrittener Oxidation und Alter- ung.
Die Viskosität erlaubt Rückschlüsse auf Alkohol- und Extraktgehalt. Hier gilt im Allgemeinen mit zunehmender Viskosität steigt der Alkohol und Extraktgehalt.

RIECHEN

Mit der Nase nehmen wir die flüchti- gen Aroma- und Bouquetstoffe eines Weines auf.

Zu beachten ist, daß die menschliche Nase sich all zu schnell an einen Geruch gewöhnt und ihn an- schließend nicht mehr wahrnimmt. Konzentrationsänderungen sind viel besser wahrnehmbar als konstante Werte. Aus diesem Grunde ist es wichtig, sich auf die ersten Geruchs-
  eindrücke zu verlassen. Minuten- langes Schnüffeln im Weinglas bringt nichts Neues. Die flüchtigen Aroma- und Bouquetstoffe des Weines sind wichtige Qualitätskriterien. Riecht der Wein sauber und frisch? Ist das sortentypische Aroma ausgeprägt?
Die Schwierigkeit hierbei ist es meist nicht, die Geruchskomponenten zu erkennen, als vielmehr sie zu be- schreiben. Ähnliches gilt für die Ge- schmacksempfindungen.

SCHMECKEN

Mit der Zunge schmecken wir die Süße, die Säure, sowie den Körper des Weines.

Zuerst schmecken wir die Süße oder deren Absenz mit der Zungenspitze, während die Säure erst am Zungen- hintergrund registriert wird. Sie hat eine speichelfördernde Wirkung, fördert als Gegengewicht zur Süße die Süffigkeit des Weines. Eine reife Säure sorgt für einen sauberen Abgang, unreife übermächtige Säure
  zerstört das Gleichgewicht, schmeckt kratzig und zieht den Gaumen zu- sammen.
Der Körper eines Weines breitet sich über die ganze Zunge aus. Er wird vornehmlich vom Alkohol gebildet, dem Rückrat eines jeden Weines, dazu gesellen sich Tannine und Ex- traktstoffe. Körperreiche Weine sind schwer, wuchtig und mundfüllend, schmale Weine dagegen leicht und substanzarm.